Epidemiologische Projekte

Kohärenzgefühl (CoalaH)

Hintergrund

Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (AHF) weisen oftmals eine gute gesundheitsbezogene Lebensqualität auf, obwohl sie wegen ihrer Herzerkrankung körperlich und/oder psychisch eingeschränkt sind. Eine Erklärung könnte sein, dass diese Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Erkrankung früh gelernt haben, eigene Möglichkeiten und Grenzen realistisch einzuschätzen und dies zu einem angemessenen Umgang mit ihrer Erkrankung geführt hat.

Moderator zwischen Krankheitserleben und der Ausbildung einer guten gesundheitsbezogenen Lebensqualität könnte das „Kohärenzgefühl" sein. Die Theorie des Kohärenzgefühls basiert auf dem Konzept der Salutogenese von A. Antonovsky. Das Kohärenzgefühl wird als eine in Kindheit und Jugend erworbene Lebensorientierung definiert, die es ermöglicht, interne und externe Stressoren als verstehbar und sinnvoll einzuschätzen und sie adäquat zu handhaben.

Ein starkes Kohärenzgefühl wird daher als Voraussetzung für gute körperliche und psychische Gesundheit gesehen. Antonovsky vermutete, dass die Ausbildung des Kohärenzgefühls durch „generalisierte Widerstandsressourcen" in Kindheit und Jugend gefördert wird.

Ziele

Ziel der CoalaH-Studie war es, bei Jugendlichen mit einem angeborenen Herzfehler zu überprüfen, ob ihr Kohärenzgefühl mit ihrer selbst eingeschätzten gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert ist. Weiterhin wurde geprüft, ob die „generalisierten Widerstandsressourcen" - so wie von Antonovsky postuliert - mit dem Kohärenzgefühl positiv assoziiert sind. Das Kohärenzgefühl ist ein im Laufe der ersten Lebensjahre erworbenes Vertrauen in die eigene Person und in die eigenen Fähigkeiten, mit den Anforderungen des Lebens zurecht zu kommen. Ein starkes Kohärenzgefühl ermöglicht es einer Person, aus einer Reihe von Lösungsmöglichkeiten die am besten geeignete auszuwählen.

Methoden und Ergebnisse

In der CoalaH- Studie wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die im Nationalen Register für angeborene Herzfehler e. V. gemeldet sind, postalisch über zwei Jahre hinweg befragt.

Unabhängig von medizinischen und sozialen Einflüssen geht es Kindern und Jugendlichen mit einem hohen Kohärenzgefühl besser als Personen mit einem niedrigen Kohärenzgefühl. Das Kohärenzgefühl scheint eine wichtige Quelle für das Wohlergehen – auch von Kindern und Jugendlichen mit einer chronischen Erkrankung – zu sein. Ein starkes Kohärenzgefühl entwickle sich, wenn vor allem drei Bedingungen gegeben seien: stabile emotionale und materielle Verhältnisse, die Möglichkeit, an Entscheidungen teilzuhaben sowie eine Umgebung, die Heranwachsende weder unter- noch überfordert. Das höchste Kohärenzgefühl hatten diejenigen Studienteilnehmer, die zwischen ein- und fünfmal pro Woche Sport getrieben haben. 

Eingeschlossene Patienten

770

Publikationen

Neuner B, Busch MA, Singer S, Moons P, Wellmann J, Bauer U, Nowak-Göttl U, Hense HW.
Sense of Coherence as a Predictor of Quality of Life in Adolescents With Congenital Heart Defects: A Register-Based 1-Year Follow-Up Study.
J Dev Behav Pediatr 2011; Feb 15; 32:316 –327.
Artikel

Ansprechpartner

PD Dr. med. Bruno Neuner MSE
Projektleiter

Charité - Universitätsmedizin Berlin, Charité Centrum 7
Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt
operative Intensivmedizin
Charitéplatz 1
10117 Berlin

Tel.: +49 30 450531026
Fax: +49 30 450531911
E-Mail: bruno.neuner(at)charite.de

Das Nationale Register für angeborene Herzfehler ist eine Patientendatenbank mit mehr als 40.000 Datensätzen. Es bildet die Grundlage für alle klinischen, epidemiologischen und genetischen Studien im Kompetenznetz. mehr...