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Erhebliche Wissensdefizite bei jungen Patienten

Quelle: suze/photocase.com


Eine Studie aus dem Nationalen Register für angeborene Herzfehler kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein erhebliches Wissensdefizit bezüglich ihrer Herzerkrankung aufweisen. Befragt wurden 596 herzkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Nur 34 % der 10 bis 13-jährigen Kinder, 45 % der 14 bis 17-jährigen Jugendlichen und 69 % der 18 bis 30-jährigen Erwachsenen können ihren Herzfehler richtig benennen oder mit eigenen Worten beschreiben. Eine mögliche Ursache dafür könnte sein, dass die meisten Befragten die Erklärungen ihres Arztes nicht richtig verstehen. Nur 41 % der Kinder, 42 % der Jugendlichen und 58 % der Erwachsenen verstehen gut, was der Arzt ihnen erklärt. Bei den minderjährigen Patienten liegt das zum Teil daran, dass die Eltern die ersten Ansprechpartner für den Arzt sind. Dieser bespricht die Informationen oft erst gar nicht mit den jungen Patienten, sondern direkt mit den Eltern.

Da es in Deutschland bisher keine systematischen Patientenschulungen gibt, fragen 79 % der Kinder ihre Eltern, wenn sie etwas über ihren Herzfehler wissen wollen. 55 % fragen ihren Arzt und 13 % nutzen das Internet als Informationsquelle. Je älter die Patienten werden, umso mehr gewinnen das Internet und der Arzt an Bedeutung. Die über 18-Jährigen fragen hauptsächlich ihren Arzt (85 %) und surfen im Internet (52 %), wenn sie eine Frage zu ihrem Herzfehler haben.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Besonders psychosoziale Themen werden aus Sicht der befragten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen nicht ausreichend in den Arzt-Patienten-Gesprächen thematisiert. Interessant ist, dass schon bei Kindern ein Informationsinteresse da ist, welches aber nicht ausgefüllt wird. Hier wird Potenzial verschenkt.

Die Studie zeigt, dass es einen Bedarf für behandlungsunterstützende Schulungsprogramme gibt, die systematisch, langfristig und altersgerecht Informationen vermitteln. Diese sollten schon in der Kindheit beginnen und sich bis ins junge Erwachsenenalter fortsetzen. Ziel eines solchen Patientenedukationsprogrammes sollte es sein, das Gesundheitsverhalten und den Umgang mit der chronischen Erkrankung zu verbessern.


Lesch W, Specht K, Lux A, Frey M, Utens E, Bauer U.
Disease-specific knowledge and information needs of young patients with congenital heart disease.
Cardiol Young. 2013; Apr 29:1-10.
Abstract