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Herzbericht 2013: „Angeborene Herzfehler sind die Erfolgsstory der letzten 30 Jahre“

 

Berlin, 29.01.2014. Am heutigen Mittwoch wurde in Berlin der Deutsche Herzbericht 2013 vorgestellt. Er sagt, dass sich die herzchirurgische Versorgung in Deutschland auf einem hohem Niveau befindet. Insbesondere die Behandlung angeborener Herzfehler wird immer besser.

Herzprobleme haben nicht nur bei alten Menschen Relevanz. Jedes 100. Baby kommt mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt, in Deutschland sind das etwa 6.500 pro Jahr. Damit sind angeborene Herzfehler die häufigste angeborene Fehlbildung beim Menschen. Die Vielfalt der Fehlbildungen des Herzens ist groß. Deshalb treten einzelne Herzfehler zum Teil sehr selten auf. 30 % der Kinder haben leichte, 45% mittelschwere und 25 % schwere Herzfehler. Die Versorgung erfolgt flächendeckend durch niedergelassene Kinderkardiologen und klinische kinderkardiologische Standorte mit invasiver Diagnostik und Operation.

Herzkatheter: 2012 wurden 8.492 Kinder herzkatheterisiert, davon die Mehrzahl (64 %) mit therapeutischer Intervention. In 33 Kliniken wurden Herzkatheter bei Kindern durchgeführt, aber nur in 18 Kliniken erfolgten jeweils mehr als 200 Katheteruntersuchungen.

Operationen: 2012 erfolgten 5.593 kardiale Operationen angeborener Herzfehler, davon 83 % mit Herz-Lungenmaschine am „offenen Herzen“. In lediglich 14 Kliniken wurden jeweils mehr als 150 Operationen durchgeführt. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) begrüßt eine Konzentration der invasiv arbeitenden Zentren, die zwar etwas längere Wege für die Eltern und Angehörigen bedeuten, dafür aber eine erhöhte Routine und Ablaufsicherheit in der Versorgung der Patienten mit AHF bewirkt.

„Angeborene Herzfehler sind die Erfolgsstory der letzten 30 Jahre“

In der gesamten Herzmedizin zeigen angeborene Herzfehler den prozentual stärksten Rückgang der Sterbeziffer bei Herzproblemen. Von 21.942 stationären Fällen starben zuletzt 483 (= 2 %). Im Vergleich zu 1990 sind im Jahr 2011 60 %  weniger Menschen durch angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems gestorben. Betroffen sind alle Altersgruppen, am stärksten jedoch die Säuglinge. Hier verzeichnen wir nach 20 Jahre sogar 70 % weniger Todesfälle.

Dank der verbesserten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erreichen heute ca. 85 – 90 % dieser Kinder das Erwachsenenalter. So kann man in Zukunft von mehr als 200.000 Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern in Deutschland ausgehen.

Damit wächst eine neue Patientengruppe, die EMAH-Patienten (Erwachsene mit angeborenem Herzfehler). Korrigiert, teilkorrigiert oder operativ nur verbessert bedürfen diese oft noch jungen Erwachsenen mit AHF einer weiteren kardiologischen Kontrolle. Da sich deren Beschwerdebild und die therapeutischen Maßnahmen stark von dem der „üblichen Erwachsenenkardiologie“ unterscheiden, haben die drei Fachgesellschaften DGPK, DGK und DGTHG diese Herausforderung angenommen und in einer Taskforce seit 2004 Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung der interdisziplinären Versorgung dieser Patienten entwickelt.

Derzeitige EMAH-Strukturen in Deutschland beinhalten 12 überregionale zertifizierte EMAH-Zentren. In den Kliniken und Praxen gibt es derzeit 254 zertifizierte Ärzt/innen, darunter sind 181 Kinderkardiolog/innen und 73 Kardiolog/innen. Die zertifizierten EMAH-Ärzt/innen und 12 überregionalen EMAH-Zentren sind auf der Homepage der DGPK aufgeführt.

Nationale Qualitätssicherung Angeborener Herzfehler

Die Kinderherzzentren haben sich zur freiwilligen Qualitätssicherung verpflichtet. Erfasst wurden erstmalig die Daten von Operationen und Katheterinterventionen (Struktur- und Prozessqualität) im Jahr 2012 in 25 Krankenhäusern. Follow-up bis 4/13.

Das Datenmanagement erfolgt durch das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler e. V. und das Register für angeborene Herzfehler e. V., die Datenauswertung durch das BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit.


Kontakt:

Prof. Dr. Brigitte Stiller
Präsidentin der DGPK
Ärztliche Direktorin der Klinik für angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie
Universitäts-Herzzentrum Freiburg Bad Krozingen

Tel.: +49 761 270-43130
E-Mail: brigitte.stiller(at)universitaets-herzzentrum.de