Ist es nur eine harmlose Erkältung oder eine ernste Infektion?, iStockphoto.com | Wavebreakmedia © iStockphoto.com | Wavebreakmedia

Wichtige Patienteninformation

Coronavirus: Wie kann ich mich als Herzpatient schützen?

Wissenswertes zum Umgang mit Covid-19/SARS-CoV-2

Wichtiger Hinweis: Diese Patienteninformation wurde mit Datum vom 24. März 2020 aktualisiert.

Vorsicht ja, Panik nein, diese Empfehlung gilt nach wie vor. Doch Vorsicht bedeutet jetzt mehr denn je auch Umsicht: Befolgen Sie bitte die aktuellen Anweisungen und Regeln der zuständigen Bundes- und Landesbehörden. Bleiben Sie zu Hause. Halten Sie bei allen notwendigen und genehmigten außerhäuslichen Aktivitäten einen Abstand von mindestens 1,5 bis 2 Metern zu ihren Mitmenschen. Achten Sie auf die Einhaltung der Hygieneregeln. Mehr dazu finden Sie unter „Jetzt wichtig zu wissen“ in dieser Empfehlung.

Die Pandemie mit dem neuartigen Coronavirus beunruhigt besonders auch Eltern von Kindern mit angeborenen Herzfehlern sowie Jugendliche und Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern. Nicht hilfreich sind hier sachlich und medizinisch unkorrekt weitergegebene Informationen sowie irreführende Fehlinformationen, die insbesondere auch in den sozialen Netzwerken in Umlauf sind. Das sagen die Experten:

Die Infektionswelle mit dem neuen Virus Covid-19/SARS-CoV-2 hat unseren Alltag verändert, mit erheblichen Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Auf allen Ebenen arbeiten wir gemeinsam mit Hochdruck daran, die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um die medizinische Versorgung für alle sicher zu stellen und insbesondere Risikopatienten bestmöglich vor der Ansteckung zu schützen. Das hat jetzt Vorrang vor allem anderen.

Was wir bis jetzt wissen

Das Coronavirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Die Inkubationszeit beträgt vermutlich 14 Tage. Die Ansteckung erfolgt auch durch Erkrankte, die nur wenige oder gar keine Symptome haben. Das Virus wird vor allem über Sekrete der Atemwege übertragen. Die Infektion verursacht meist ähnliche Beschwerden wie eine leichte Erkältung oder ein grippaler Infekt. Zu den bislang festgestellten Symptomen zählen unter anderem ein trockener Husten, hohes Fieber, Schüttelfrost und starke Kopf- und Gliederschmerzen. Berichtet wurde manchmal auch von Magen-Darm-Beschwerden sowie laut einer Umfrage des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn unter mehr als 100 Infizierten im Kreis Heinsberg von einem mehrtägigen Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Der neue Erregerstamm Covid-19/SARS-CoV-2 gehört dabei offenkundig zu den Viren, die bei besonderen Patientengruppen auch schwere Infektionen der Atemwege wie eine Lungenentzündung hervorrufen können. Das Vorliegen einer Herzerkrankung mit Lungenbeteiligung stellt von daher ein großes Risiko dar.

Milde Verläufe bei gesunden Kindern

Nach den aktuell vorliegenden Informationen und ersten Studien aus China zeigen sich insbesondere bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen bei einer Covid-19/SARS-CoV-2-Erkrankung kaum schwerwiegende Symptome. Dies war selbst bei nachgewiesenen Lungenentzündungen der Fall. In dieser jungen Patientengruppe verlaufen die meisten Infektionen mild. Infizierte Kinder können jedoch eine hohe Anzahl an Erregern im Hals- und Rachenbereich haben und somit andere, auch erwachsene Personen, schneller infizieren.

Erhöhte Wachsamkeit, aber keine Panik

Die bislang für schwerere Krankheitsverläufe bekannten Risikofaktoren wie zum Beispiel chronische Herzerkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes, und Bluthochdruck betreffen derzeit vor allem ältere Erwachsene. Zu der Frage, ob es sich bei Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Herz- und Lungenerkrankungen ähnlich verhält, gibt es bislang noch keine Studienergebnisse. Es ist daher – wie bei anderen Infektionserkrankungen auch – generell bei allen Kindern und Erwachsenen mit moderat bis schwer eingestuften angeborenen Herzfehlern erhöhte Wachsamkeit geboten, ein Grund zur Panik besteht jedoch nicht.

Risikogruppen

Anzunehmen ist, dass die Gruppe der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern, für die eine Coronavirus-Infektion mit einem hohen Risiko einhergeht, der Patientengruppe vergleichbar ist, für die eine Infektion etwa durch Influenza- und RS-Viren bzw. weitere Viren, die schwerwiegende Atemwegserkrankungen auslösen, bedrohlich werden kann. Zu dieser Risikogruppe gehören Säuglinge mit bislang nicht korrigierten Herzfehlern, Kinder und Erwachsene mit bedeutsam vermehrten oder vermindertem Lungenblutfluss sowie Kinder und Erwachsene mit Herzinsuffizienz oder pulmonaler Hypertonie. Besonders erhöht ist das Risiko zudem bei Herz-Patienten, die mit einer angeborenen Immunschwäche zu tun haben (etwa bei vorliegender 22q11 oder Trisomie 21 ) oder die nach einer Herztransplantation oder Lungentransplantation Medikamente einnehmen müssen, die die Funktionen des Immunsystems vermindern. Allerdings stehen Studien, die die genannten Risikogruppen auch in Bezug auf die Infektion mit Covid-19/SARS-CoV-2 bestätigen, noch aus.

Richtig vorbeugen, Verbreitung verlangsamen

Wir können den betroffenen Patienten, ihren Eltern und Angehörigen daher nur zur unbedingten Einhaltung der aktuellen Anweisungen der zuständigen Behörden und der Hygieneregeln raten. Risikopatienten empfehlen wir dabei dringend auch die Überprüfung ihres Impfschutzes gegen Grippe. Fälle von Corona- und Grippe-Infektionen wurden auch als Doppel-Infektion berichtet. Da zudem die Lungenentzündung die Hauptkomplikation darstellt, sollte bei Risiko-Patienten mit angeborenen Herzfehlern unbedingt auch der gegen Pneumokokken empfohlene Impfschutz überprüft werden, um etwa einer Doppel- oder Zweit-Infektion und den damit verbundenen Risiken sicher vorbeugen zu können. Insgesamt gilt für alle Patienten mit angeborenen Herzfehlern wie für herzgesunde Menschen auch, sich nach Möglichkeit vor einer Infektion zu schützen. Dies dient insbesondere auch dazu, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Häufig gestellte Fragen

  • Sollten mein Kind oder ich jetzt zum Arzt oder in eine Klinik gehen?

    Suchen Sie Klinikambulanz und Arztpraxis bitte nur nach telefonischer Voranmeldung und Rückversicherung zu einem bestätigten Termin auf. Halten Sie bei Fragen zu Erkrankungen oder besonderen Risiken für Ihr herzkrankes Kind oder zu eigenen Erkrankungen und Risiken bei einem angeborenen Herzfehler bitte grundsätzlich telefonisch oder per Mail Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt, Kinderkardiologen oder EMAH-Kardiologen. Fahren Sie bitte nicht ohne Vorankündigung in eine Praxis oder Klinikambulanz. Und informieren Sie sich bitte auch über die jeweiligen Websites der Kliniken und Praxen zu aktuellen Hinweisen.

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  • Was muss ich tun bei begründetem Verdacht auf Ansteckung?

    Sollten Sie bei sich oder Ihrem Kind Krankheitszeichen feststellen und/oder, etwa durch den Kontakt zu Betroffenen, einen begründeten Verdacht auf eine Infektion haben, vermeiden Sie bitte den engen Kontakt mit weiteren Personen und verzichten Sie auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder den Aufenthalt in Wartebereichen und Warteräumen. Fahren Sie bitte nicht ohne Vorankündigung in eine Praxis oder Klinikambulanz. Kontaktieren Sie Ihren Haus- oder Kinderarzt telefonisch. In vielen Städten sind bereits mobile ärztliche Teams zur Durchführung der Tests im Einsatz. Abhängig vom klinischen Zustand sollten Patienten mit schweren und moderaten Herzfehlern bei begründetem Verdacht auf eine Corona-Infektion grundsätzlich auch dem Kinderkardiologen oder EMAH-Kardiologen vorgestellt werden.

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Hotline

Über den Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter der Telefonnummer 116 117 erhalten Sie sowohl allgemeine Informationen als auch eine persönliche Beratung zum Coronavirus.

Wir halten Sie auf dem Laufenden

Sollten in den nächsten Tagen und Wochen neue Erkenntnisse einen veränderten Sachstand ergeben, so werden wir Sie umgehend dazu informieren. 

Der Vorstand des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler

Prof. Dr. med. Hashim Abdul-Khaliq
Vorstandsvorsitzender und Sprecher

Prof. Dr. med. Helmut Baumgartner
Stellv. Vorstandsvorsitzender

Prof. Dr. med. Christian Schlensak
Stellv. Vorstandsvorsitzender


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