KNAHF-Initiator Prof. Dr. med. Peter E. Lange bei einer Tagung im März 2007., Kompetenznetz Angeborene Herzfehler | Jan Zappner © Kompetenznetz Angeborene Herzfehler | Jan Zappner
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Meldung | In eigener Sache

Abschied von einem Visionär

Der Gründer des KNAHF Prof. Dr. med. Peter E. Lange ist tot

„Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Kaum eine Kollegin oder ein Kollege am Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, dem Peter E. Lange dieses „Mantra“ nicht mit auf den Weg gegeben hat.

Es brauchte einen langen Atem, eine schier ungeheure Arbeitsdisziplin und einen zähen Durchsetzungswillen für den Aufbau des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler (KNAHF), vor allem aber auch viel Freude und Humor. Peter E. Lange hatte all das. Von dem renommierten Kinderkardiologen und Mitbegründer der Klinik für Angeborene Herzfehler am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) ging Ende der neunziger Jahre die Initiative aus, mit einem bundesweiten Register eine zentrale Forschungsbasis für die immer wichtiger gewordene, multizentrische Langzeitforschung auf dem Gebiet der angeborenen Herzfehler zu schaffen.

Am Nationalen Register für angeborene Herzfehler sollten möglichst alle Betroffenen aus dem Bundesgebiet teilnehmen. „Vom Säugling bis zum Greis“, brachte Peter E. Lange damals seinen Anspruch auf den Punkt. Forschung zu ermöglichen, von der alle Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern profitieren, das war seine Mission. Daraus entstand eines der heute weltweit größten Register mit Daten- und Probenspenden von mehr als 55.000 Patientinnen, Patienten und ihren leiblichen Angehörigen.

Schon mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur Kardiophysiologie in den 70er und 80er Jahren hat Peter E. Lange Maßstäbe gesetzt. Bis heute wird auf dieser Grundlage erfolgreich therapiert und auch weitergeforscht. Die vernetzte Forschung in Deutschland war dem anerkannten Spezialisten für Rechtsherzerkrankungen ein großes Anliegen. Das Problem, das dringend gelöst werden musste, lag auf der Hand: Bei den heterogenen Krankheitsbildern kann kein Zentrum alleine genügend medizinische Daten für aussagefähige Forschungsergebnisse zu angeborenen Herzfehlern zusammentragen, erst recht nicht über einen jahrzehntelangen Zeitraum.

Gefördert durch die Friede Springer Stiftung und das DHZB wurden daher unter Leitung von Peter E. Lange mit dem Kompetenznetz Angeborene Herzfehler auch die idealen Voraussetzungen für eine registerbasierte Forschung geschaffen. Unsagbar groß war die Freude, als das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler 2003 die Förderzusage durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung erhielt. Heute ist der Forschungsverbund mit seinen Forschungsprojekten und Publikationen längst auch international anerkannt und erleichtert die erfolgreiche gemeinsame Forschung von Zentren weltweit.

Mit seinen Ideen war Peter E. Lange der Zukunft oft einen Schritt voraus. In seinem Engagement unermüdlich verlangte er von seinen Mitstreitern viel und von sich selbst alles. „Geht nicht gibt’s nicht“ lautete die Losung dazu. Dabei bezog er stets alle Beteiligten in seine Vorstellungen und Zielsetzungen mit ein. Peter E. Lange hat die Entwicklung der medizinischen Versorgung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern aller Altersgruppen und die dafür nötige Forschung in Deutschland vorangetrieben wie kaum ein anderer. Für vorausschauende Forschungsansätze auf diesem Gebiet war er immer zu haben. Mit seiner Begeisterung hat er viele Kolleginnen und Kollegen zu wissenschaftlichen Höchstleistungen motiviert.

Am Mittwoch, den 17. Juni 2020, ist Peter E. Lange im Alter von 84 Jahren verstorben. „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“, soll Bertolt Brecht einmal gesagt haben. Wir behalten den einzigartigen Mentor und Visionär Prof. Dr. Peter E. Lange in dankbarer und bewundernder Erinnerung.

Prof. Dr. med. Hashim-Abdul Khaliq
Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler e. V.

Dr. med. Ulrike Bauer
Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler e. V. und des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler e. V.

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