Bei angeborenen Herzfehlern sind die Impfung gegen  Grippe und gegen eine virale Pneumonie ein überlebenswichtiger Schutz., iStockphoto.com | merteren © iStockphoto.com | merteren

Medizin und Versorgung

Risikofaktor virale Lungenentzündung

Klinischer Verlauf bei angeborenen Herzfehlern

Wissenschaftlicher Name der Studie

Mortality and Morbidity in Patients with Congenital Heart Disease Hospitalized for Viral Pneumonia

Die Lebenswege von Patienten mit angeborenen Herzkrankheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Der medizinische, chirurgische und katheterinterventionelle Fortschritt ermöglicht es den meisten Betroffenen, deutlich länger und weitgehend unbeeinträchtigt mit der Grunderkrankung zu leben. Viele erreichen heute das Rentenalter. Doch geheilt sind sie nicht.

Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Lungenerkrankungen, neurologische sowie Nieren- und Lebererkrankungen zählen bei Patienten mit moderaten bis schweren angeborenen Herzfehlern zu den häufigen Komplikationen. Deutlich erhöht ist auch ihr Risiko, an einer Myokarditis oder Endokarditis zu erkranken und zu versterben. Mehr als 30 Prozent der erwachsenen Patienten mit moderaten bis schweren Herzfehlern leiden zudem unter einer zumindest mäßig beeinträchtigten Lungenfunktion.

Von daher liegt es nahe, dass die Erkrankung an einer durch Viren verursachten schweren Lungenentzündung für Patienten mit angeborenen Herzfehlern lebensbedrohlicher ist als für Patienten ohne angeborene Herzfehler. Wie hoch die Risiken tatsächlich liegen, hat die Forschergruppe um den Kardiologen und EMAH-Spezialisten Gerhard-Paul Diller vom Universitätsklinikum Münster im Rahmen einer breiten Studie in Kooperation mit der Barmer Krankenversicherung erstmals ermittelt. Dabei wurde der Langzeitverlauf von insgesamt 24.980 Patientinnen und Patienten untersucht, die stationär behandelt werden mussten.

Grippeschutzimpfung ist ein Überlebensfaktor

Demnach zeigen sich schon bei jungen und mittelalten Patienten mit angeborenen Herzfehlern ähnlich häufig schwere Krankheitsverläufe mit Todesfolge wie sie bei herzgesunden Patienten erst im Alter von über 60 Jahren beobachtet werden. Dabei ermittelten die Forscher Komplexität des angeborenen Herzfehlers, Chromosomenanomalien, Herzmedikation, den Einsatz von Immunsuppressiva sowie das Fehlen eines Grippeschutzes als zentrale Risikofaktoren.

„Das zeigt, wie wichtig eine entsprechende Schutzimpfung ist, auch wenn sie keinen einhundertprozentigen Schutz bedeutet. Wir können jedem einzelnen Patienten nur dringend dazu raten, seinen Impfstatus zu überprüfen und sich gegebenenfalls sowohl gegen Grippe als auch gegen eine virale Lungenentzündung impfen zu lassen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie“, sagt Gerhard-Paul Diller.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

  • Gut zu wissen

    Grippeschutz prüfen, Doppelinfektionen vermeiden

    Bei angeborenen Herzfehlern sind die Impfung gegen  Grippe und gegen eine virale Pneumonie ein überlebenswichtiger Schutz. © iStockphoto.com | merteren
    Bei angeborenen Herzfehlern sind die Impfung gegen Grippe und gegen eine virale Pneumonie ein überlebenswichtiger Schutz.

    Die weltweite Ausbreitung des Virus Covid-19/SARS-CoV-2 gefährdet vor allem Risikopatienten und ältere Mitmenschen. Neben der strikten Einhaltung der AHA-Regeln, Abstand, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske, kommt es für Risiko-Patienten mit angeborenen Herzfehlern besonders darauf an, mögliche Doppel-Infektionen zu vermeiden. Sowohl der Grippeimpfschutz als auch der Impfschutz gegen Pneumokokken sollten dringend überprüft und ggf. vorgenommen werden.

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Patienten mit moderaten und schweren Herzfehlern zählen zur Hochrisikogruppe

Die für den Untersuchungszeitraum zwischen 2005 und 2018 ausgelegte Studie ergab, dass bereits junge Patienten mit komplexeren angeborenen Herzfehlern aufgrund einer viralen Lungenentzündung ähnlich häufig künstlich beatmet werden mussten und ähnlich häufig verstarben wie ältere Patienten ab 60 aufwärts, die keine solche Grunderkrankung hatten. Mit Ausnahme von Patienten, die einen leichten angeborenen Herzfehler ohne weitere Organveränderungen haben, zählen AHF-Patienten bei schwerer viraler Pneumonie aus Sicht der Forscher eindeutig zu den Hochrisikopatienten, die besonders vor einer Ansteckung mit Covid-19 geschützt werden müssen.

  • Wissenschaftliche Details zur Studie

    Erfahren Sie mehr zum Studiendesign, den Materialien und Methoden, sowie zu den Hintergründen der Studie:

    Publikationen

    • 27.10.2020

      Mortality and morbidity in patients with congenital heart disease hospitalised for viral pneumonia.

      Diller GP, Enders D, Lammers AE, Orwat S, Schmidt R, Radke RM, Gerss J, De Torres Alba F, Kaleschke G, Bauer UM, Marschall U, Baumgartner H

      Heart (British Cardiac Society), (2020). Diese Publikation bei PubMed anzeigen.

Diese Studie wurde gefördert durch die EMAH Stiftung Karla Völlm.  Sie ist Teil des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA getragenen Forschungsprojektes OptAHF. © EMAH Stiftung Karla Völlm
Diese Studie wurde gefördert durch die EMAH Stiftung Karla Völlm. Sie ist Teil des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA getragenen Forschungsprojektes OptAHF.

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