Anhaltende Schmerzen in den Beinen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindelanfälle können  auf eine Aortenisthmusstenose hindeuten., iStockphoto.com | Aynur_sib © iStockphoto.com | Aynur_sib

Medizin und Versorgung

Zwischen zwei und 18: Operation oder Katheter-Intervention?

Neue Studie erforscht bestmögliche Therapie bei Aortenisthmusstenose

Wissenschaftlicher Name der Studie

Arterielle Hypertonie und deren Folgeerscheinungen nach primärer Behandlung einer Aortenisthmusstenose mittels einer Intervention versus einer Operation: bundesweite, multizentrische Langzeitstudie

Die Aortenisthmusstenose zählt zu den häufigeren angeborenen Herzfehlern. Von der Verengung der Hauptschlagader betroffen ist etwa eins von 3.000 bis 4.000 Neugeborenen. Die Herzfehlbildung birgt lebensbedrohliche Risiken. Eine verengte Aorta führt zu erhöhtem Blutdruck und belastet die linke Herzkammer, da diese mehr Pumparbeit leisten muss, um das sauerstoffreiche Blut durch die Engstelle zu transportieren.

Das Herz von Neugeborenen verfügt anfänglich noch über den Ductus arteriosus, den für die Zeit im Mutterleib wichtigen Verbindungsgang zwischen der Aorta und der Lungenschlagader. Kurz nach der Geburt schließt sich dieser von selbst. Bei einigen Kindern jedoch bleibt er geöffnet. Im Fall eines unterbrochenen Aortenbogens oder einer hochgradigen Aortenisthmusstenose ist dies sogar von Vorteil, da dieser Verbindungsgang die einzige Möglichkeit für den Blutfluss in die untere Körperhälfte ist.

Risiko für Herz und Hirn

Hat ein Neugeborenes eine starke Verengung der Aorta oder einen unterbrochenen Aortenbogen, verschlechtert sich sein Allgemeinzustand rasch. Der lebensrettende Eingriff erfolgt daher schnellstmöglich. Handelt es sich dagegen um eine leichtere Verengung wird der Herzfehler oft erst entdeckt, wenn die Kinder älter sind. Denn bis auf ein ungewöhnliches Herzgeräusch, das sich beim Abhören vernehmen lässt, ist zunächst nichts weiter auffällig. Jedoch verändert sich aufgrund der Engstelle der Aorta langsam die Durchblutung des Körpers. Es entwickelt sich ein Bluthochdruck in der oberen Körperhälfte, der sich auf Dauer negativ auf die Gefäße am Herzen und auch auf das Gehirn auswirken kann.

Unterschiedliche Behandlungsstandards

Eine Aortenisthmusstenose lässt sich heute gut korrigieren. Ziel des Eingriffs ist es, den Bluthochdruck als Langzeitkomplikation zu verhindern. Bei Neugeborenen und Kindern bis zum Alter von zwei Jahren hat sich die Operation als Standard etabliert. Hierbei wird nach Eröffnung des Brustkorbs die Engstelle der Aorta beseitigt. Bei Patientinnen und Patienten ab 18 gilt die Katheter Intervention mit Stent-Implantation als bewährte Methode. Dabei wird ein Katheter zur Engstelle in der Aorta geführt. Er trägt einen kleinen Ballon an der Spitze, der sich erst an der Engstelle der Hauptschlagader öffnet und diese damit weitet. Zusätzlich wird ein über dem Ballon liegendes winziges Metallgeflecht, der Stent, in die geweitete Engstelle eingepasst. Dort verbleibt der Stent und hält die Aorta offen.

Altersgerechte Behandlung sicherstellen

Noch unklar ist, welches Korrekturverfahren für Kleinkinder ab zwei Jahren sowie für Kinder und Jugendliche am vorteilhaftesten ist. Das untersuchen wir jetzt in einer bundesweiten Langzeitstudie. Wir vergleichen dabei die Langzeitergebnisse nach einer Operation und nach einer Katheter-Intervention. Retrospektiv werten wir dabei die Krankheitsverläufe von Teilnehmenden des Nationalen Registers aus, bei denen einer der beiden genannten Eingriffe im Alter zwischen zwei und 18 Jahren erfolgt ist. Auf diese Weise können wir herausfinden, welches der beiden Verfahren den Blutdruck langfristig besser senken kann und damit die wirkungsvollere Therapie darstellt.

Höhere Lebensqualität

Die Erkenntnisse unserer Studie sollen zu neuen Behandlungsstandards beitragen. Ziel ist es, einen altersgerechten und nachhaltig komplikationsfreien Eingriff zu gewährleisten und so auch dauerhaft die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Diese Studie wird gefördert von der kinderherzen Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren. © Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e. V.
Diese Studie wird gefördert von der kinderherzen Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren.

Verantwortlich für das Projekt:

  • Dr. med. Ulrike Bauer, Wolfram Scheible für Nationales Register © Wolfram Scheible für Nationales Register

    Dr. med. Ulrike Bauer

    Ulrike Bauer ist Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Nationalen Registers für angeborene Herzfehler e. V. und des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler e. V. mehr

    Kompetenznetz Angeborene Herzfehler e. V.
    Netzwerkzentrale

    Augustenburger Platz 1
    13353 Berlin
  • Prof. Dr. med. Fabian Alexander Kari, Éva Gréta Schenkhut © Éva Gréta Schenkhut

    Prof. Dr. med. Fabian Alexander Kari

    Fabian Kari ist Facharzt für Herzchirurgie und leitender Oberarzt am Europäischen Kinderherzzentrum München. mehr

    Europäisches Kinderherzzentrum München
    Lazarettstr. 36
    80636 München

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