Vollständig Geimpfte haben das geringste Risiko., iStockphoto.com  | Bihlmayer Fotografie © iStockphoto.com | Bihlmayer Fotografie

Wichtige Patienteninformation

Impfung ist der beste Schutz

Auch bei angeborenen Herzfehlern überwiegen die Vorteile

Seit den ersten Monaten 2021 hat in Deutschland die Corona-Variante Delta die Variante Alpha verdrängt und sich stark ausgebreitet. Die verfügbaren Impfstoffe gegen COVID-19 bieten bei vollständiger Impfung einen hohen Schutz auch vor schweren Erkrankungen durch diese Virusvariante.

Dennoch kommen die Impfungen bis heute nur schleppend voran. Viele Eltern von Kindern mit angeborenen Herzfehlern sowie Erwachsene und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlen sind verständlicherweise in großer Sorge.

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    Schleppender Anstieg bei den Impfquoten

    Vollständig Geimpfte haben das geringste Risiko. © iStockphoto.com | Bihlmayer Fotografie
    Vollständig Geimpfte haben das geringste Risiko.

    Seit August empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) dringend auch die Impfung aller Kinder ab zwölf Jahren. Bis Anfang Oktober hat etwas mehr als jeder Dritte (Stand 08.10.2021: 37 Prozent) im Alter zwischen zwölf und 17 eine vollständige Impfung erhalten. Die Gesamtquote der vollständig Geimpften liegt bei 65,3 Prozent. Nach Berechnungen des Robert Koch Instituts (RKI) müssen es jedoch 85 Prozent bei den zwölf bis 59-Jährigen sowie 90 Prozent bei Personen ab einem Alter von 60 Jahren sein. Denn nur dann ließen sich die Übertragungen von SARS-CoV-2 unter der kritischen Marke von pro Woche 50 Infizierten pro 100.000 Personen halten. Zum aktuellen Stand der Impfungen informiert das Robert Koch Institut (RKI)

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Eigener Schutz und Rücksicht auf die Jüngsten

Insbesondere für Risikopatienten unter zwölf Jahren, ihre Eltern und ihr Umfeld bedeutet die Impfzurückhaltung ihrer Mitmenschen eine große Belastung und Herausforderung. Denn für die Jüngsten zeichnet sich nach aktueller Studienlage eine entsprechende Impflösung erst ab. Solange sind sie für ihre Sicherheit und gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Leben in Kita, Schule und Freizeit in hohem Maße auf die Impfbereitschaft und Rücksichtnahme der breiten Bevölkerung angewiesen.

Wie sicher ist die Impfung auch bei schweren AHF?

Der Kieler Kinderkardiologe Professor Hans-Heiner Kramer, Vorsitzender des Gutachtergremiums und Mitglied des Lenkungsausschusses des Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, rät gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen dringend, den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu folgen und sich ab zwölf Jahren mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna impfen zu lassen, gerade auch bei angeborenen Herzfehlern: „Wir richten uns dabei wie die STIKO danach, was wissenschaftlich gesichert ist. Die Risiken einer Impfung bilden selbst für Kinder und Jugendliche mit schweren angeborenen Herzfehlern eine verschwindend kleine Größe verglichen mit den hohen Risiken einer Infektion.“  

Gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Mit großer Sorge beobachten die Kinderkardiologen auch die Folgen von Kontakt-, Kindergarten-, Hort- und Schuleinschränkungen. „Viele herzkranke Kinder wurden und werden vor Kontakten extrem geschützt. Auch in der Corona Pandemie haben Kinder ein Recht darauf, bestmöglich an ihrem vertrauten Alltagsleben teilhaben zu können. Hier stehen wir gesamtgesellschaftlich in der Verantwortung. Jeder, der sich impfen lässt, schützt sich und andere, rettet Leben und trägt dazu bei, dass besonders gefährdete Kinder nicht in ihrem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben eingeschränkt werden“, so Professor Dietmar Schranz, Kinderkardiologe und Emeritus der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Impfung unter zwölf

Auch rechnet er fest damit, dass für eine Impfempfehlung für Kindern unter zwölf Jahren bald die notwendigen wissenschaftlichen Daten vorliegen. Bis es soweit ist, raten die Kinderkardiologen noch von einer generellen Impfung unter zwölf ab. „In Sachen Verträglichkeit und Nebenwirkungen, aber auch hinsichtlich der Impfdosis, kann man sich nicht einfach an den Daten von Kindern ab 12 Jahren oder gar Erwachsenen orientieren, all dies muss erst durch aussagekräftige Studien geklärt werden“, begründet Professor Hans-Heiner Kramer die Zurückhaltung.

Delta-Variante birgt höhere Risiken für Risiko-Patienten ab 6

Eine Ausnahme machen die Experten allerdings für die Risiko-Patienten unter den jüngeren Kindern. Zu den sehr seltenen, jedoch schweren Komplikationen, die im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion bei Kindern unter zwölf Jahren beobachtet wurde, zählen das so genannte „pediatric inflammatory multisystem syndrome“, kurz PIMS oder MIS-C für „multisystem inflammatory syndrome in children“ sowie damit verbunden eine Vaskulitis, die dann auch zur Myokarditis führt. „Das Angriffsziel der Covid-19-Viren ist vor allem das Gefäß-Endothel, also die Zellen die als dünne Schicht das Innere der Blutgefäße auskleiden. Sie haben den höchsten ACE-2-Rezeptorbesatz, die Andockstelle für das Covid-19-Virus. Hinter der bei Covid-19 häufiger beobachteten Myokarditis steckt also eher eine Vaskulitis“, erläutert Professor Dietmar Schranz.

Der Kinderkardiologe würde daher nach bisherigem Wissensstand das Impfen von Risiko-Patienten in der Gruppe der 6- bis Zwölfjährigen auch jetzt schon bejahen: „Die Delta-Variante hat eine noch viel höhere Bindung an die ACE-2-Rezeptoren und gerade bei den schweren Gefäßentzündungen im Rahmen eines PIMS/MIS-C waren auffällig viele achtjährige Kinder betroffen.“ Eltern von Kindern unter zwölf mit schweren angeborenen Herzfehlern sollten sich daher mit dem behandelnden Kinderkardiologen zu einer möglichen Impfung beraten.

Weiterführende Informationen rund um die Impfung von Kindern und Jugendlichen finden Sie im Faktencheck der Deutschen Herzstiftung mit Professor Dietmar Schranz.

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